Konflikte lösen, Interessen wahren

Konflikte lösen ist unsere Aufgabe, Ihre Interessen zu wahren unser Ziel. Die wirtschaftliche und persönliche Situation unserer Mandanten immer im Fokus, kämpfen wir für Ihr Recht.


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Vorsorgeverfügungen

Vorsorgedokumente sind sehr wichtig! Deshalb empfehlen wir und bieten ggf. unseren Mandanten weitere Notfallhilfen an, z.B. Nothilfeausweis, Nothilfeordner, Aktualisierungsservice und Checklisten für den Notfall.

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Vermittlerrecht

Finanz- und Versicherungsvermittler haben bei ihren Beratungen umfangreiche Vorschriftensammlungen zu beachten. Daraus ergeben sich Handlungsgebote für Vermittler. Wir helfen bei der Umsetzung dieser Vorschriften und Anpassung der entsprechenden Unterlagen.

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Aktuell

von Lutz Arnold

Jährlich werden dreistellige Milliardenbeträge vererbt. Was die meisten Erblasser, die ein Testament verfassen, aber offensichtlich nicht beachten ist, dass fast jedes zweite (!) Testament Fehler aufweist, die dann von dem Nachlassgericht beanstandet und teilweise falsch ausgelegt werden oder sogar zur Nichtigkeit des gesamten Testamentes führen. Was ist wichtig für das Verfassen eines Testaments?

 

Zuerst: „Testament erstellen“ ist besser als „kein Testament erstellen“

 

Viele Erblasser verzichten auf die Erstellung eines Testamentes auf Grund fehlerhafter Vorstellungen hinsichtlich der gesetzlichen Erbfolge. Verbreitet ist insbesondere der Irrglaube, dass bei Ehepaaren der Überlebende automatisch Alleinerbe des anderen wird. Dies ist aber gerade nicht so! Die Folge ist dann, dass sich der überlebende Ehepartner plötzlich mit entfernten Verwandten in einer Erbengemeinschaft befindet, die immer einheitlich entscheiden muss. Das ist ein sicherer Schritt zu Erbstreitigkeiten. Ein Testament, auch wenn es nicht „perfekt“ abgefasst ist, kann Streitigkeiten verhindern.

Letztwillige Verfügungen unterliegen Formvorschriften! So muss z.B. das eigenhändige Testament komplett mit der Hand geschrieben und mit Datum versehen und unterschrieben werden. Ein Verstoß hiergegen führt zur Unwirksamkeit des gesamten Testaments.

Unverständliche oder mehrdeutige Formulierungen können im Erbfall zu Streit oder gar falscher Auslegung des letzten Willens des Erblassers führen. Wen hat der Erblasser gemeint, als er z.B. von „meinen Kindern“ schrieb? Meinte er nur seine leiblichen oder auch die Schwiegerkinder oder auch die, die seine zweite Frau mit in die Beziehung brachte (also seine Stiefkiinder)?

 

Inhaltliche Tipps

 

Nicht bedacht wird oftmals, dass sämtliche Erben Mitglied einer sog. Erbengemeinschaft werden. Diese müssen immer einstimmig entscheiden. Dabei ist es unerheblich, ob ein Erbe an dem Nachlass die Mehrheit geerbt hat oder nur z.B. „1%“. Jede Stimme zählt gleich viel und alle müssen sich einig sein. Das wird besonders dann sehr schwer, wenn sich ihre Mitglieder über die Verteilung des Nachlassvermögens verständigen müssen, obwohl sie vorher nichts miteinander zu tun hatten.

Wenn der im Testament ursprünglich Bedachte vor oder nach Erbfall wegfällt, führt dies oft dazu, dass plötzlich die geschiedene Ehefrau, der Urgroßcousin oder der Staat erben.

Ist geklärt, wer nach dem Erben erben soll? Soll dann der sog. Vorerbe über den Nachlass verfügen dürfen oder gerade nicht? Und wer soll erben, wenn der Erbe vor dem Erblasser stirbt?

Oftmals werden einzelne Abkömmlinge bereits zu Lebzeiten beschenkt. Dies wollen viele Testierende mit Hilfe ihrer letztwilligen Verfügung gegenüber den anderen Bedachten ausgleichen. Eine entsprechende Anrechnungsbestimmung, die der Erblasser selber in seinem Testament trifft, ist jedoch nichtig.

Viele Testierende berücksichtigen nicht das Bestehen von Pflichtteilsansprüchen. Diese entstehen, wenn die gesetzlichen Mindesterbquoten nicht berücksichtigt werden. Das führt dazu, dass der eigentliche Erbe, der abgesichert werden sollte, nun die anderen auszahlen muss und massive Liquiditätsprobleme bekommt.

Dabei kann man relativ sicher diese Quoten bereits zu Lebzeiten ausrechnen und auf verschiedene Weise ablösen (Erbvertrag Pflichtteilsverzicht) oder durch externe Mittel ablösen (Risikolebensversicherung).

Oftmals wird von Ehegatten nicht bedacht, dass ein gemeinschaftliches Testament regelmäßig nicht einseitig abänderbar ist. Insbesondere wenn ein Ehegatte bereits verstorben ist, ist ein Widerruf von Regelungen des gemeinschaftlichen Testaments nur sehr eingeschränkt möglich.

Durch die Lebensumstände aber auch durch unglückliche Erbregelungen kann es dazu kommen, dass der Nachlass durch Hausverkauf, Autounfall, Steuern, Pflegekosten oder Pflichtteile gemindert oder gar aufgebraucht wird und den Schlusserben nicht mehr viel verbleibt. Es macht immer Sinn, zu Lebzeiten das Testament ab und zu anzuschauen und die Regelungen rechnerisch zu überprüfen.

 

Testamentsvollstrecker meist sinnvoll

 

Wenn man Streit unter den Erben vermeiden will und vielleicht noch bestimmte Wünsche für den Umgang mit seinem Nachlass hat, dann macht auch eine Testamentsvollstreckung Sinn.

Mit ihr setzt der Erblasser eine Person seines Vertrauens als Nachlassverwalter ein. Diese Person wird rechtlich stark gemacht, d.h. die Erben können ihr das Leben nicht allzu schwer machen. Diese Person entscheidet dann, wie genau das Erbe verwaltet oder wie es für die Dauer der Minderjährigkeit der Kinder verwahrt oder auch wie und wann es aufgelöst und unter den Erben verteilt wird. Diese Person kann Erbstreitigkeiten verhindern und den Willen des Erblassers über dessen Tod hinaus umsetzen.

 

Richtige Aufbewahrung des Testaments

 

Das beste Testament nützt nichts, wenn es nach Eintritt des Erbfalls nicht gefunden wird oder in falsche Hände gerät. Weiß man denn, wer im Fall der Fälle der erste in der Wohnung des Verunfallten ist und was diese „erste“ Person mit einem gefundenen Testament, was ihn enterbt, anstellt?

Ein Testament kann bei dem zuständigen Amtsgericht gegen eine Gebühr hinterlegt werden.

Vertraut man all seinen Angehörigen, spricht nichts gegen eine Aufbewahrung des Testaments zu Hause, etwa in einem Nothilfeorder, in dem alle wichtigen Dokumente für den Notfall übersichtlich aufbewahrt werden. Das erleichtert Angehörigen im Fall der Fälle das Finden wichtiger Informationen.

Ebenfalls macht auch eine digitale Hinterlegung von sonstigen Vorsorgedokumenten Sinn - insbesondere der Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung.

Die Abrufbarkeit der sonstigen Vorsorgedokumente „rund um die Uhr“ und das weltweit sind absolut wichtig, denn das muss auch von unterwegs klappen! Wer diese Dokumente nur zu Hause liegen hat, sollte sich überlegen, wie ein Krankenhaus denn davon erfährt, dass es solche Texte überhaupt gibt, wo diese liegen und wie es darankommt, wenn der Patient doch bewusstlos ist.

Dazu ist es wichtig, dass nicht nur Vorsorgedokumente abrufbar sind, sondern vor allem auch medizinische Notfalldaten wie „notwendige Medikamente“, „Allergien“, „Unverträglichkeiten“ und die „Kontaktdaten behandelnder Ärzte“, denn diese Daten können Leben retten.

Das jederzeitge weltweite Abrufen der Dokumente und medizinischen Notfalldaten funktioniert ganz einfach über einen professionellen Nothilfeausweis, den man bei sich trägt. Hier sollten zu informierende Personen und medizinische Daten eingetragen sein, damit die Angehörigen schnell erreicht werden und der Notarzt überlebenswichtige Informationen erhält.

Ebenso macht es Sinn, weitere ausführlichere Informationen für die Angehörigen bereit zu stellen. Das kann über einen digitalen Nothilfeordner geschehen, auf den man über den Nothilfeausweis online Zugriff erhält.

Daher machen ein Nothilfeausweis und ein Nothilfeordner absolut Sinn. Diese Vorsorgemaßnahmen können Leben retten.

Ein Testament muss jedoch nicht digital hinterlegt werden, weil hier in der Regel keine Eilbedüftigkeit besteht und dieses Dokument ja auch nur im „Original“ wirksam ist.

 

Fazit

 

Formal sind handschriftlich verfasste Testamente ausreichend. Inhaltlich wird die Erstellung jedoch meist unterschätzt. Die Aufbewahrung eines Testaments kann bei dem Nachlassgericht oder zu Hause oder bei Angehörigen erfolgen.

Für Vorsorgedokumente macht eine digitale Sicherung und Abrufbarkeit viel Sinn, ebenso wie für medizinische Notfalldaten. Die Abrufbarkeit dieser Dokumente und der medizinischen Notfalldaten kann man z.B. über einen professionellen Nothilfepass (www.nothilfepass.de) erreichen.

Eine digitale Aufbewahrung eines Testaments hat jedoch nur „informatorischen Charakter“ für Angehörige, denn bei einem Testament gilt nur das Original und gerade keine Kopien oder digitale Scans.

 

Rechtsanwalt Lutz Arnold LL.M.

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von Lutz Arnold

„Bist Du Organspender?“ - eine häufige Frage in Deutschland, zu der jeder ein Gefühl hat, aber selten eine auf Fakten fundierte Meinung. Was sollte man dazu wissen?

 

Lage in Deutschland

 

Derzeit warten in Deutschland ca. 10.000 Menschen auf ein lebenswichtiges Organ und einige sterben während sie warten.

Das Transplantationsgesetz regelt die Spende, Entnahme und Vermittlung von Organen. In Deutschland muss man einer Organentnahme ausdrücklich zustimmen (erweiterte Zustimmungslösung), sonst ist sie nicht erlaubt. Im Ausland dagegen muss man meist ausdrücklich widersprechen (Widerspruchslösung), sonst ist sie erlaubt!!! Wer also z.B. in den Urlaub ins Ausland fährt tut gut daran, eine Ablehnung einer Organspende vorher schriftlich zu fixieren, wenn er auf keinen Fall spenden möchte, denn sonst kann er dort als Spender gelten!

In Deutschland ist die private Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) mit Sitz in Frankfurt/Main eine entscheidende Organisation. Die spätere Vermittlung der entnommenen Organe läuft dann über Eurotransplant in Leiden/Niederlande. Zwei private Organisationen, eine davon im Ausland, regeln, ob wer wann welche Organe erhält – manchem erscheint das nicht vertrauenswürdig.

 

Ablauf einer Organspende

 

Wenn ein potenzieller Spender stirbt, müssen zuerst zwei Ärzte, die nicht an der späteren Entnahme teilnehmen dürfen, den Hirntod feststellen. Schon diese Feststellung ist medizinisch nicht immer einfach. Angehörige „sollen“ dann informiert werden. Aber zustimmen müssen sie nicht, wenn der Patient eine Zustimmung zur Organentnahme - etwa auf dem Organspendeausweis - erklärt hatte.

Die Entnahme muss schnell erfolgen, weil die Organe, wenn sie zu lange im toten Körper verbleiben, vergiften und dann nicht mehr verwendbar sind.

Aus medizinischer Sicht ist eine Entnahme ohne Betäubung ideal, weil betäubte Organe nicht verpflanzbar sind. Aber keine Sorge, bei Hirntod gibt es kein Schmerzempfinden mehr.

Die Entnahme erfolgt in der Regel nachts, wo die OP-Säle leer aber die Familien meist nicht vor Ort sind. Aus Sicht der Chirurgen nachvollziehbar, aus Sicht der Angehörigen nicht immer beruhigend.

 

Spenden oder nicht?

 

Diejenigen, die nicht spenden wollen, sollten bedenken, dass auch sie oder ihre Familie in Not geraten können. Viele Menschen wollen Organe erhalten – aber nicht selber spenden. Ist das fair? Jedenfalls legal. Daneben sollten Nicht-Spender bedenken, dass in dem Fall, in dem man keiner Entnahme zugestimmt hat, dann auch die eigenen Angehörigen keine Organe von ihnen erhalten können, obwohl das doch „die Familie“ ist, für die die meisten Menschen grundsätzlich doch Organe hergeben würden.

Andererseits sollten diejenigen, die spenden wollen, daran denken, wie sich Angehörige fühlen werden, wenn Ärzte die Organe entnommen haben ohne dass sie Angehörige informiert hatten oder ohne dass die Angehörigen den Patienten noch einmal sehen konnten. Oft bleiben Zweifel über den korrekten Ablauf der Entnahme.

 

Tipps für die Organspende

 

Wo regelt man die Organspende? Eine Organverfügung kann separat mit einem Organspendeausweis oder aber noch besser direkt in der Patientenverfügung geregelt werden. Hier kann man auch ausführlicher beschreiben, ob man nur bestimmte Organe spenden will oder bestimmte gerade nicht. Nur bitte Wünsche zur Organspende nie in ein Testament schreiben, da dieses erst Wochen nach dem Tod eröffnet wird und das für eine Organentnahme zu spät ist.

Entscheider einsetzen? Angeregt wird, die normalen Bevollmächtigten aus der Patientenverfügung auch als Entscheider über das Thema Organspende einzusetzen. Dann können sie den Prozess des Sterbens und der Organentnahme als einheitlichen Prozess begleiten und mögliche Widersprüche zwischen Organverfügung und Patientenverfügung auflösen. Das kann zwar eine schwere Bürde für den Entscheider sein, aber so haben er und der Organspender Gewissheit, dass die Prozesse zur Entnahme korrekt laufen und nachvollziehbar sind. Das kann der Familie hinterher etwas Ruhe geben.

Jedenfalls bitte nicht einfach „ja“ auf dem Organspendeausweis ankreuzen. Damit sind die Angehörigen noch nicht informiert, sie dürfen nicht mitentscheiden, sie können den Prozess nicht begleiten und haben hinterher, insbesondere wenn sie nicht informiert wurden, lebenslang Unsicherheit zum Ablauf des Entnahmeprozesses.

 

Abrufbarkeit

 

Um sicherzustellen, dass die Angehörigen rechtzeitig informiert werden, ist eine Abrufbarkeit der Wünsche und Vorgaben zur Organspende in jedem Fall unerlässlich. Es gibt aber kein Zentralregister für Spendenwillige, auch die Bundesnotarkammer oder andere Register erfassen hier nichts. Wer seine Entscheidung zu einer Organentnahme oder -ablehnung hinterlegen will, kann dies nur privat tun.

Die Abrufbarkeit „rund um die Uhr“ und das weltweit ist absolut wichtig, denn das muss auch von unterwegs klappen! Wer wichtige Vorsorgedokumente wie die Organverfügung oder eine Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung nur zu Hause liegen hat, sollte sich überlegen, wie ein Krankenhaus denn davon erfährt, dass es solche Texte überhaupt gibt, wo diese liegen und wie es darankommt, wenn der Patient doch bewusstlos ist.

Dazu ist es wichtig, dass nicht nur Vorsorgedokumente abrufbar sind, sondern vor allem auch medizinische Notfalldaten wie „notwendige Medikamente“, „Allergien“, „Unverträglichkeiten“ und die „Kontaktdaten behandelnder Ärzte“, denn diese Daten können Leben retten.

Das jederzeit weltweite Abrufen der Dokumente und medizinischen Notfalldaten funktioniert ganz einfach über einen professionellen Nothilfeausweis, den man bei sich trägt. Hier sollten zu informierende Personen und medizinische Daten eingetragen sein, damit die Angehörigen schnell erreicht werden und der Notarzt überlebenswichtige Informationen erhält.

Ebenso macht es Sinn, weitere ausführlichere Informationen für die Angehörigen bereit zu stellen. Das kann über einen digitalen Nothilfeordner geschehen, auf den man über den Nothilfeausweis online Zugriff erhält.

Daher machen ein Nothilfeausweis und ein Nothilfeordner absolut Sinn. Diese Vorsorgemaßnahmen können Leben retten.

 

Fazit

 

Die Organspende ist keine einfache Entscheidung. Legt man sich aber fest, ist diese Entscheidung auch von Dritten wie Ärzten und Angehörigen zu akzeptieren, wenn sie wirksam verfasst sind. Gerade eine Organverfügung sollte jederzeit weltweit abrufbar sein.

Die Abrufbarkeit einer Organentscheidung, aber auch die der sonstigen Vorsorgedokumente und der medizinischen Notfalldaten kann man z.B. über einen professionellen Nothilfepass (www.nothilfepass.de) erreichen.

 

Rechtsanwalt Lutz Arnold LL.M.

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von Lutz Arnold

Eine Vorsorgevollmacht ist wichtig. Aber viele Muster sind fehlerhaft oder nicht praxistauglich. Folge: Oft werden Dokumente nicht anerkannt. Was sollte man bei einer Vorsorgevollmacht beachten?

 

Vorsorgevollmacht statt Betreuungsverfügung

 

Wer rechtsverbindlich seine Vertrauten für sich entscheiden lassen will, sollte eine Vorsorgevollmacht erstellen und nicht eine Betreuungsverfügung. Letztere ist nur eine (schlechte) Alternative. Eine Vollmacht regelt rechtsverbindlich, wer als „Bevollmächtigter“ ab Unterschrift entscheiden darf. Sie schließt das Betreuungsgericht und staatliche Betreuer aus. Ein staatlicher Betreuer darf dann grundsätzlich nicht mehr eingesetzt werden.

Eine Betreuungsverfügung dagegen regelt, wer „Betreuer“ werden soll. Sie ist nicht (!) rechtsverbindlich. Dort eingesetzte Personen können mit ihr nichts (!) entscheiden. Statt dessen muss das Betreuungsgericht festlegen, ob der vorgesehene Betreuer auch entscheiden darf. Hier steht dem Richter ein Ermessen zu, auch eine ganz andere als die im Dokument stehende Person einzusetzen. Und selbst wenn der Richter der Betreuungsverfügung folgt, muss der eingesetzte Betreuer dann alle wichtigen Entscheidungen mit dem Betreuungsgericht abstimmen und Rechenschaft über das betreute Vermögen ablegen.

Aber wer will sich schon Entscheidungen über Gesundheit und Vermögen des Verunfallten von einem Richter genehmigen lassen müssen? Deshalb „Vorsorgevollmacht statt Betreuungsverfügung“!

 

Keine Muster oder Standardformulare

 

Standardtexte und fertige Muster werden in der Praxis gerade von Banken und Ärzten oft nicht anerkannt. Ein von einem Anwalt oder Notar verfasstes Dokument akzeptieren diese Ansprechpartner dagegen fast immer. Da man es seinen Bevollmächtigten leicht machen möchte, sollte man diese Dokumente nur auf anwaltlichem oder notariellem Briefpapier verfassen lassen.

 

Mehrere Vertreter einsetzen und Rangfolge bestimmen

 

Manche Vollmachten enthalten nur einen Bevollmächtigten. Aber was, wenn dieser auch ausgefallen oder nicht erreichbar ist? Dann kann niemand entscheiden und es muss ein staatlicher Betreuer angefordert werden, vgl. § 1896 Abs. 1 BGB. Daher bitte immer mindestens zwei Bevollmächtigte einsetzen!

Auch macht es Sinn, bei mehreren Vertretern eine klare Rangfolge der Entscheidungsbefugnis festzulegen, damit es nicht zu lähmenden Streitigkeiten unter den Bevollmächtigten kommt.

 

Unbedingt über den Tod hinaus wirksam sein lassen

 

Die Wirksamkeit einer Vollmacht endet grundsätzlich mit dem Tod des Vollmachtgebers. Wird also in einer Vollmacht nicht ausdrücklich bestätigt, dass sie auch „über den Tod hinaus wirksam“ sein soll, erlischt die Vollmacht mit dem Tod. Der Bevollmächtigte darf dann nichts mehr entscheiden, obwohl gerade mit Tod viele Fragen und Entscheidungen zu klären sind.

 

Keine Beschrärkungen oder Lücken

 

Viele Vollmachten enthalten unnötige Beschränkungen, etwa: „Diese Vollmacht gilt nur, wenn der Vollmachtgeber geschäftsunfähig ist.“ Manche enthalten auch gravierende Lücken wie: „Diese Vollmacht regelt nur die Bereiche, die im Folgenden angekreuzt sind.“

Im ersten Fall müsste der Bevollmächtigte stets nachweisen, dass der Vollmachtgeber auch wirklich geschäftsunfähig ist. Da das nur ein Arzt feststellen darf, müsste der Bevollmächtigte dann immer wenn er entscheiden will, eine aktuelle ärztliche Bestätigung vorlegen. Das behindert Vertreter massiv.

Im zweiten Fall der Lücken fehlt dem Bevollmächtigten für jeden nicht geregelten Bereich die Vertretungsbefugnis. Er darf dann in diesen Bereichen nichts entscheiden.

 

Klarheit schaffen, ob Arzt oder Bevollmächtigte entscheiden sollen

  • 1904 BGB legt für medizinische Entscheidungen ein „einvernehmliches Handeln“ von Arzt und Bevollmächtigtem fest. Was aber, wenn sich Arzt und Bevollmächtigter über eine Behandlung nicht einig sind, was oft vorkommt? Dann müsste nach § 1904 BGB das Betreuungsgericht entscheiden, was länger dauert und alle Angehörigen stark belastet.

Die meisten Muster im Internet machen den Arzt stark und lassen ihn entscheiden. Angehörige können dann nicht entscheiden. Wer lieber die Bevollmächtigten entscheiden lassen will, muss sie also stark machen und nicht den Arzt.

 

Aktualität der Dokumente

 

Vorsorgedokumente müssen immer aktuell sein. Wenn die Kontaktdaten der Angehörigen nicht mehr aktuell sind, kann das Krankenhaus Angehörige nicht erreichen. Das Krankenhaus kann aber nicht zeitaufwändig recherchieren. Daher werden Ärzte dann das Betreuungsgericht informieren und das bestellt dann einen staatlichen Betreuer.

Neben den Kontaktdaten muss auch die Rechtslage aktuell sein, sonst können die Dokumente nichtig sein. Daher gilt: alle zwei Jahre prüfen lassen, ob die Dokumente noch „persönlich“ und „rechtlich“ aktuell sind.

 

Kopien und Scans zulassen

 

Als Bevollmächtigter muss man viele Stellen mit der Vollmacht versorgen: Krankenhäuser, Pflegeheim, Labore, Banken, Behörden, Arbeitgeber, Versicherungen etc.. Hier helfen in der Praxis nur Kopien oder Scans der Vollmachten. Dennoch heißt es oft vor allem in Vordrucken, dass „nur das Original der Vollmacht gilt“ und auch nur, „wenn es der Bevollmächtigte bei Ausübung der Vollmacht in den Händen hält“. Das ist völlig lebensfremd und unpraktisch.

Wie soll das gehen, wenn man nur mit dem einen Original entscheiden darf und es auch noch immer vor Ort vorlegen muss? Dann müssste der Bevollmächtigte immer live mit dem einen Original der Vollmacht herumfahren und dürfte die Vollmacht nie aus der Hand geben. Bitte nie vorgeben, dass „nur das Original“ gilt!

 

Dokumente müssen abrufbar sein

 

Wie erfahren Dritte wie Unfallhelfer, Ärzte und das Betreuungsgericht, dass der Verunfallte überhaupt Vorsorgedokumente hat und wer die Personen sind, die jetzt verständigt werden müssen, damit sie auch entscheiden können?

Die Abrufbarkeit „rund um die Uhr“ und das weltweit sind absolut wichtig, denn das muss auch von unterwegs klappen! Wer diese Dokumente nur zu Hause liegen hat, sollte sich überlegen, wie ein Krankenhaus denn davon erfährt, dass es solche Texte überhaupt gibt, wo diese liegen und wie es darankommt, wenn der Patient doch bewusstlos ist.

Dazu ist es wichtig, dass nicht nur Vorsorgedokumente abrufbar sind, sondern vor allem auch medizinische Notfalldaten wie „notwendige Medikamente“, „Allergien“, „Unverträglichkeiten“ und die „Kontaktdaten behandelnder Ärzte“, denn diese Daten können Leben retten.

Das jederzeit weltweite Abrufen der Dokumente und medizinischen Notfalldaten funktioniert ganz einfach über einen professionellen Nothilfeausweis, den man bei sich trägt. Hier sollten zu informierende Personen und medizinische Daten eingetragen sein, damit die Angehörigen schnell erreicht werden und der Notarzt überlebenswichtige Informationen erhält.

Ebenso macht es Sinn, weitere ausführlichere Informationen für die Angehörigen bereit zu stellen. Das kann über einen digitalen Nothilfeordner geschehen, auf den man über den Nothilfeausweis online Zugriff erhält.

Daher machen ein Nothilfeausweis und ein Nothilfeordner absolut Sinn. Diese Vorsorgemaßnahmen können Leben retten.

 

Fazit

 

Bei einer guten und rechtssicheren Vollmacht ist einiges zu beachten. Muster und Formulare werden oft nicht anerkannt. Die Dokumente sollten jederzeit weltweit abrufbar sein.

Medizinische Notfalldaten können Leben retten. Auch sie müssen jederzeit weltweit abrufbar sein.

Die Abrufbarkeit der Dokumente und der medizinischen Notfalldaten kann man z.B. über einen professionellen Nothilfepass (www.nothilfepass.de) erreichen.

 

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Mittwoch, 16.06.2021

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